10 Jahre Tennis Coaching
Warum ich aufgehört habe ein “Tennislehrer” zu sein. Was sich verändert hat.
2025 markiert einen Meilenstein in meiner Laufbahn als Tennistrainer.
Es ist mein 10. Jahr als Tennis Coach. Seit meinem 17. Lebensjahr gebe ich Tennistraining.
2023 habe ich damit begonnen, mich hauptberuflich meiner Leidenschaft zu widmen und mit dem Aufbau meiner Tennisschule begonnen.
Ich bin jedoch der Meinung, dass ich gerade erst damit angefangen habe, ein richtig guter Tennis Coach zu werden.
Nicht, dass ich davor nicht von meinen Fähigkeiten als Trainer überzeugt gewesen wäre. Aber in den vergangenen zwei Jahren habe ich mich regelmäßig selbst hinterfragt und mein Bild eines guten Tennis Coaches hat sich komplett verändert.
Zu Beginn meiner Trainerlaufbahn habe ich mich sehr an Strukturen orientiert, die in Lehrgängen und Trainerausbildungen vermittelt wurden.
Damals habe ich nicht hinterfragt, ob diese vorgefertigten Strukturen für alle SpielerInnen sinnvoll sind.
Mir hat das Training Spaß gemacht, aber erst seit Kurzem wurde aus diesem Spaß eine richtige Leidenschaft. In den vergangenen zwei Jahren habe ich viele Fort- und Weiterbildungen auch abseits des Tennis besucht und mein Bild eines guten Tennis Coaches breiter aufgestellt.
Ich sehe mich inzwischen vielmehr als Partner der SpielerInnen, der das richtige Umfeld schafft, um Lernerfolge, Erfahrungen und Weiterentwicklung auf vielerlei Ebenen zu ermöglichen. Deshalb verwende ich inzwischen nicht mehr den Begriff des Tennislehrers, da ich mich nicht mehr als “Lehrer” verstehe, der nur Wissen vermittelt.
Es mag von außen sehr einfach erscheinen, sich auf den Platz zu stellen und Tennistraining zu geben, da es oft so aussieht, als wären die Übungen und Spiele oft ähnlich oder gar gleich. Die SpielerInnen schlagen Bälle hin und her und ich als Trainer schaue “NUR” zu und wechsle ab und zu ein paar Worte mit einem der TeilnehmerInnen.
Manchmal sieht es sogar so aus, als wäre ich als Trainer sogar zu faul, die Übungen selbst aufzubauen und gebe meinen Spielern die Materialien, um ihre Zielfelder auf dem Platz selbst zu legen.
Und für das zahlt man dann auch noch eine Menge Geld? Ist das gerechtfertigt?
In meinen Augen definitiv.
Denn wenn ich nicht dauerhaft Instruktionen gebe und mich zurückhalte, können meine SpielerInnen das Gesagte in Ruhe verarbeiten und verinnerlichen.
Wenn ich etwas sage, habe ich es mir gut überlegt.
Wenn ich die SpielerInnen ihre Zielfelder oder Übungen selbst aufbauen lasse, rege ich zum Nachdenken und im Nachgang an die Übung zur Reflektion an.
Wenn ich Fragen stelle, möchte ich niemanden bloßstellen, sondern gemeinsam Lösungen erarbeiten.
Denn mein Ziel ist es nicht nur, aus meinen TrainingsteilnehmerInnen bessere TennisspielerInnen zu machen. Mein Ziel ist es, dass meine SpielerInnen die Fähigkeit entwickeln, die Herausforderungen auf dem Tennisplatz selbst zu lösen.
Und das fängt damit an, die SpielerInnen zum Denken und Reflektieren zu animieren. Die richtigen Fragen zu stellen, die richtigen Bilder zu erzeugen und nicht jede Lösung sofort zu präsentieren.
Vielleicht schaffe ich es sogar, dass meine SpielerInnen etwas im Tennistraining lernen und außerhalb davon profitieren.
Das mag zwar vermessen klingen, aber Probleme lösen, reflektiert denken, sich selbst wahrnehmen und hinterfragen, mit Drucksituationen umgehen, aus Niederlagen lernen und mit anderen kooperieren muss man nicht nur auf dem Tennisplatz.
Genau deshalb plane ich meine Stunden nicht mehr minutiös, sondern gehe auf die Wünsche und Vorstellungen meiner SpielerInnen ein und lasse sie mitentscheiden und Anteil an ihrem eigenen Training nehmen.
Das führt manchmal dazu, dass ich einen groben Plan für das Training im Kopf habe und diesen komplett umwerfe. Und genau darin liegt die Kunst. Auf die Wünsche einzugehen und innerhalb von wenigen Minuten ein Training nach den Wünschen und Vorstellungen der SpielerInnen zu entwerfen.
Auch wenn ich auf dieser Reise erst am Anfang stehe, erfüllt es mich mit selten da gewesenen Begeisterung, da ich das Gefühl habe, für besondere Momente sorgen zu können und einzigartige Lern- und Trainings-Atmosphären zu schaffen, die nicht von Spannung oder einem ungleichen Machtverhältnis sondern von Ehrlichkeit, Offenheit, Spaß und Lernbereitschaft geprägt sind.
Vielleicht nehme ich meine Arbeit als Tennis Coach zu ernst. Das kann gut sein.
Aber in unserer heutigen Zeit, in der die Kinder und Jugendlichen diverse Angebote zur Freizeitgestaltung wahrnehmen können und volle Tage haben, möchte ich der Gegenpart sein zu “Sport- und Freizeit-konsum”.
Mein Ziel ist Teilhabe und nicht bloßer Konsum des Tennistrainings.
Es führt oft zu Verwirrung, wenn ich frage, was die SpielerInnen heute trainieren, üben oder lernen möchten, da sie es gewohnt sind, vieles auf dem Silbertablett geliefert zu bekommen und sich selbst kaum mehr Gedanken machen müssen.
Ich bin der Meinung, dass wir als Coaches wesentlich weniger Inhalte vorgeben sollten und unsere TeilnehmerInnen mehr einbeziehen und Anteil nehmen lassen sollten an der Kreation des Trainings.
Ich bin zutiefst überzeugt, dass dies für mich der richtige Weg ist, da es Phasen in meiner Arbeit als Coach gab, in denen ich nicht so viel Spaß an meiner Arbeit hatte und so motiviert war wie heute. In diesen Phasen hatte ich Angst davor, “unvorbereitet” in eine Stunde zu gehen, weil ich zum einen nicht die Tools und mein heutiges Wissen hatte und zum anderen meine Sicht auf das Training die eines “Lehrers” war, der technisches Wissen vermittelt und Übungen spielen lässt, die er vorgibt.
Für mich ist meine Arbeit inzwischen nicht mehr nur “Arbeit”, sondern viel mehr als das. Ich sehe jede Trainingseinheit und jede Veranstaltung als Chance, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen und auch selbst etwas Neues zu lernen.
Daher werde ich nicht müde werden, in den kommenden Jahren viele Dinge auf und neben dem Platz auszuprobieren und auch immer wieder zu scheitern und hinzufallen.
Sofern du den Artikel bis hierher gelesen hast, freue ich mich auf eine kurze Nachricht von dir, wie du meine Gedanken findest. Gerne auch Kritik. Jede Kritik bietet die Chance, sich weiterzuentwickeln.